Frankreich, Stewi
In articulo mortis
Im Augenblick des Todes ohne vorherige Beichte oder Busse und in sündigem Zustand vor Gott treten zu müssen, stellt für viele Gläubige eine Belastung dar. In diesem unscheinbaren und verlassenen Haus findet sich der Schlüssel zur Lösung dieses religiösen Dilemmas. Obwohl das Haus bereits deutliche Zerfallserscheinungen zeigt, hängt im Schlafzimmer noch immer das von Papst Pius XII im Jahr 1950 ausgegebene Ablasszertifikat, welches dem namentlich genannten Empfänger den Erlass seiner Sünden im Augenblick des Todes garantiert. Solche Ablasszertifikate dienten früher als spirituelle Absicherung für Gläubige und wurden oft als gerahmte Dokumente an Familien verliehen, die nach Rom pilgerten. Dass es um die Gesundheit des letzten Bewohners nicht zum Besten stand, lassen an einem Fenster aufgehängte Röntgenbilder eines Schädels sowie ein altes Behindertenfahrzeug im Schopf erahnen. Ob das Ablasszertifikat seinen Zweck erfüllt hat, wissen wir nicht. Aber das konkrete Vorgehen im Augenblick des Todes ist wie folgt beschrieben:
„Wir werfen uns demütig zu Füssen eurer Heiligkeit nieder und bitten um den Apostolischen Segen und den vollkommenen Ablass in articulo mortis. Wenn Sie reumütig sind, aber weder beichten noch die Heilige Kommunion empfangen können, sollen Sie mit dem Mund oder zumindest im Herzen den Heiligen Namen Jesu anrufen“. (Übersetzung Bild mit Papst Pius XII).
Gastbeitrag von stewi



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