Hinter verstaubten Fabrikfenstern ist eine gespenstische Stille eingekehrt, während draussen der Himmel in Fetzen herunter fällt. Wo einst in grossen Hallen in gigantischen mehrgeschossigen Produktionsanlagen Farben für die Chemische Industrie produziert wurden, klaffen heute riesige Löcher. In der alten Stadt am Fluss schiessen dafür die Türme wie die Pilze in die Höhe und zeugen von ihrem Wohlstand. Doch der Wohlstand ist brüchig und die Stadt träge geworden wie Blei. Neben den babylonischen Türmen scheint nur noch die Bevölkerung, die Verwaltung und der alles nivellierende Zeitgeist zu wachsen. Freiräume, Brachen und Poesie ziehen sich zurück und weichen anonymer Massenarchitektur. Wie die Leere in den ausgeschlachteten Fabrikhallen hinterlässt der leise Wandel der Stadt Leere in den Seelen der Menschen, die mit Konsum gefüllt wird. Einmal im Jahr ziehen jeweils nach dem Aschermittwoch lärmende und vermummte Gestalten in ritualisierter Form durch die Strassen der Stadt. Aber auch sie sind nur noch ein Spiegelbild ihrer Zeit, verkommen schleichend zur Folklore und vermögen den Untergang nicht aufzuhalten. Gastbeitrag von stewi
Anfragen, die aus einem einigermassen ganzen Satz bestehen und vielleicht sogar noch etwas freundlich sind, werden gerne beantwortet.



Passend zu der „drey scheenschte Dääg“, kommt diesen Beitrag. Ich weiss nicht, ob ich die Bilder oder das Kommentar poetischer finde. Beide stimmen zum nachdenken, dazu: danke!
Vielen Dank für die Rückmeldung. Als Tambour/Trommler an der Fasnacht suche ich immer auch ein wenig die Poesie. Manchmal finde ich sie beim Gässle am Heuberg.
Danke für diese eindrucksvollen Schilderungen. Sehr speziell diese runden „Fenster“ (Löcher), waren da wohl Turbinen angemacht? Was war diese für eine Farbenfabrik? bzw. wo ist diese (nicht Adressenbezogen) sondern Westschweiz / Deutschschweiz / ital.Schweiz)
Die ausgeschlachteten Gebäude der ehemaligen Farbenfabrik befindet sich in der Nordwestschweiz in einem traditionnellen Arbeiterquartier einer für ihre heute vorwiegend pharmazeutische Produktion bekannten Stadt. In den „runden Löchern“ befanden sich früher über mehrere Etagen die Farbkessel. Sie wurden rückgebaut und hinterliessen die eindrücklichen kreisrunden Öffnungen in den Böden und Decken.
Hallo. Sehr schöne Bilder, und auch der Text gefällt mir sehr, da ich in dieser Stadt geboren bin. Ich glaub ich weiss wo das ist, aber da 2 ähnliche Gebäude in der Gegend stehen, bin ich nicht ganz sicher. Dieses hier scheint im eingezäunten Areal zu sein. Aber das mit den Farben ist doch das Gebäude, welches mehrfach in den Medien war, weil es mit diversen gefährlichen Stoffen belastet ist? Bist Du mit Schutzmaske reingegangen, oder wurde das inzwischen saniert? Ausser es wäre doch ein anderes Gebäude, ich kann hier nicht zu viel Details schreiben ohne zu sagen, wo / was ich meine, aber vielleicht verwechsle ich das auch. Im insgesamten hat es hier viele schöne Lost Places, muss mir die Seite mal in Ruhe anschauen. Danke für den schönen Beitrag, aber es würde mich Wunder nehmen, ob es eben dieses belastete Gebäude ist. Nebst „Besichtigung“ interessiert mich eben auch oft die Vergangenheit und die eventuelle Zukunft dieser Orte.
Danke für deinen Kommentar. Inzwischen gilt das gesamte Klybeckareal aufgrund der langjährigen chemischen Produktion als belasteter und überwachungsbedürftiger Standort. Zum Gebäude kann ich soviel sagen, dass es sich nicht um das berüchtigte Gebäude K90 handelt. Bau K90 ist von aussen an den diagonalen Betonverstrebungen zur Erdbebenertüchtigung leicht zu erkennen. Beim meinem Besuch habe ich wegen der kurzen Auftenthaltsdauer auf die Schutzmaske verzichtet. Meines Wissens geht von den Gebäuden keine Gefahr aus, solange nicht gebaut oder die Asphaltversiegelung entfernt wird. Ich stelle es mir ähnlich wie bei Asbestplatten vor: solange die Asbestplatte nicht mechanisch bearbeitet wird, bleiben die gefährlichen Stoffe im Material gebunden. Erst die mechanische Bearbeitung setzt die Schadstoffe frei. Bei google findest du mit den Stichworten Klybeck/Altlasten/Schadstoffe viele Infos zum gesamten Areal.
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